Besuch in Wuppertal-Barmen

Wer hätte das gedacht.
Die Idee dieser Reise ist ja schon die Spurensuche der Ahnen, aber dass man sowas findet, wer hätte das gedacht.

Besuch in Wuppertal
Der Tag fing schon toll an, denn beim leckeren Frühstück mit meinem Onkel 2. Grades Steffen und seiner Frau Ricarda war klar, dass das Wetter traumhaft werden würde. Erster Programmpunkt des Tages war die Fahrt mit der Wuppertaler Schwebebahn, bei deren Einweihung meine Urgroßmutter Victoria als kleines Mädchen der Kaiserin einen Blumenstrauß überreicht hatte. Rasant ging die Fahrt von Oberbarmen bis zur Endstation in Vohwinkel und wieder zurück – ich dachte dabei an „Achterbahnfahren im Alltag“. Bei der Fahrt über 13,3 Kilometer bekommt man einen tollen Eindruck von Wuppertal – besonders natürlich bei Kaiserwetter wie heute.

Hier unsere rasante Fahrt:

Anschließend besuchten wir die Gemarkerkirche, in welcher mein Ururgroßvater Otto Dahl getauft wurde sowie den Toelle Turm mit grandioser Aussicht über die Stadt.

Zu viele Zufälle und noch ganz viel Glück
Pünktlich zu Kaffee und Kuchen kam dann Timo Spicker vom WDR hinzu, welcher gemeinsam mit uns auf Spurensuche gehen wollte. Nach gemütlichem Kennenlernen und diversen Interviews und Kameraeinstellungen machten wir uns auf den Weg zum Ziel des heutigen Tages: Das Fabrikgelände der Dahlschen Lederfabrik in Barmen.

Nach kurzer Fahrt erreichten wir bereits das Gelände in den Höfen, und mein Onkel (2. Grades) Steffen zeigte mir sogleich das ehemalige Wohnhaus in den Höfen 82, ein hellgelbes und freundliches Haus, welches noch so aussieht wie früher.

House of Otto Dahl

The house still looks the same!

Dahinter kann man noch Teile der alten Fabrikgebäude erkennen, welche heute zu Wohnungen ausgebaut sind.

This was part of the old factory

Nach einigem Erzählen wollte Steffen uns dann die Plakette am Eingang des Hauses zeigen, welche auf den ursprünglichen Erbauer Otto Dahl und dessen Sohn Alexander Dahl hinweist. Just in diesem Moment kamen mehrere Leute aus dem Haus und Steffen stellte sich kurz vor und fragte, ob wie die Plakette fotografieren und filmen dürften.

Sign

Als dann das neue Besitzerpaar des Hauses herunter kam und wir uns wiederum kurz vorstellten, leuchteten die Augen des Besitzers schon etwas und sagte „Otto Dahl? Natürlich kennen wir den!“. Wir wurden freundlichst ins Haus gebeten. Zunächst ging es die Treppe hinauf und auf halbem Weg hingen mehrere Dokumente des Otto und Alexander Dahl and der Wand, unter anderem die Architektenzeichnungen eben jenes Hauses, in dem wir uns befanden. Um mich war es da schon geschehen, wir waren nicht nur im Haus des Otto Dahl, sondern da hingen diese historischen Dokumente an der Wand – ich konnte es kaum fassen. Aber es wurde noch besser.

me not believing what I see

Nach Erkundung des Gartens und Bestaunen der Rückseite des Hauses sowie einer Stipvisite des Kellers ging es wieder hinauf in die Wohnung der Besitzer. Einen Moment später kamen die beiden mit Armen voller alter Bücher und Mappen zurück, die sofort auf dem Küchentisch ausgebreitet wurden. Sämtliche alte Dokumente, von Bauzeichnungen über Kassenbücher bis hin zu Schreiben und Urkunden der Lederfabrik Dahl waren hier über die Jahre erhalten geblieben. Keiner unserer Familienmitglieder wusste von diesen historischen Dokumenten – wir hatten einen echten Schatz entdeckt. Sofort waren Steffen und ich „in unserer Welt“, vergaßen alles um uns herum und blätterten und blätterten. Das einzige Wort, welches mir noch einfiel, war „abgefahren“.

The new owners and us looking at the old documents

old documents

Die heutigen Besitzer interessieren sich selbst für die Geschichte des Hauses und hatten auch die Plakette aus Eigeninitiative am Haus angebracht. Ich glaube, auch für sie war die Überraschung groß, dass Nachfahren plötzlich vor der Tür standen und damit der Geschichte des Hauses wieder ein wenig Leben einhauchten. Steffen erzählte viel aus unserer Familiengeschichte, wir zeigten den Stammbaum des Otto Dahl und schwelgten im gemeinsamen Dokumentestöbern dahin.

Ich bin mir sicher, dass diesem spontanen Erstkontakt noch viel Austausch und Geschichtserkundung folgen wird. Am Ende des erst zweiten Tages meiner Reise bin ich völlig platt und überwältigt von den Ereignissen.

5 thoughts on “Besuch in Wuppertal-Barmen

  1. Becky Good sagt:

    Wow! That is just incredible! You will remember this and pass it on to your children.

  2. Oma Gunda, Ingrid, Harald, Nora, Robert sagt:

    Hallo Sibylle,
    die family hat begeistert deine bisherigen Erlebnisse und Entdeckungen mitverfolgt. Hammer!! Wir sind gespannt auf deine nächsten Berichte von der Queen und der Ankunft in New York. Auch Tante Hilde ist immer auf neuestem Stand. Stay cool, take care!! Vom Familienkaffeeklatsch grüßen Dich und Andrea ganz herzlich
    Ingrid und Harald, Nora und Robert sowie Oma Gunda.

  3. Gerhard Padtberg sagt:

    Hallo Sibylle,
    angeregt durch die Sendung im Fernsehen sende ich Ihnen meinen Beitrag.
    Da ich während des Krieges ab 1944 bei meinem Großvater Karl Strassmann in der Daher Strasse 28 lebte, das Haus steht auch noch und wurde wie im Giebel angegeben 1912 erbaut, bekam ich 1948 zur Einschulung von Opa einen richtigen Leder Tornister und ein Paar neue, hohe Lederschuhe geschenkt, die vor mir noch kein Kind getragen hatte. Opa gehörte die Leimfabrik Claffke, Dahlerstrasse Ecke Grundstrasse, zweihundert Meter hinter der Lederfabrik Dahl. Ich trug also diesen Tornister acht Jahre in der Volksschule auf dem Rücken und anschließend noch drei Jahre unter dem Arm während meiner Lehre. Das Leder dieser beiden Produkte hatte Opa gegen einen Sack Leim bei der Lederfabrik Dahl getauscht und aus Ihrem Leder waren diese tollen Produkte hergestellt worden. Man bedenke, elf Jahre hat der Tornister seinen Dienst verrichtet, die Schuhe waren natürlich zu klein geworden. Auch zog später in die Lederfabrik Dahl ein Betrieb für Flugzeugtechnik ein mit dem Namen Herbert Gomolzig, Söhne Peter und Helmut, die auch im Haus Daher Strasse 28 privat bei Opa wohnten. (Betrieb heute an der A 61 Nähe Koblenz.)
    Durch Ihren Beitrag kamen bei mir noch einmal alte Erinnerungen ans Licht und ich wünsche Ihnen auf Ihrer Reise viel Glück, liebe Menschen die Sie begleiten und natürlich ein gesunde Wiederkehr ins Heimatland.
    Herzliche Grüße
    Gerhard Padtberg

    1. Sibylle sagt:

      Lieber Gerhard,
      vielen Dank für diese wunderbare Geschichte! Gibt es den Tornister noch in der Familie?
      Beste Grüße aus Milwaukee!
      Sibylle

      1. Gerhard Padtberg sagt:

        Liebe Sibylle,
        zuerst einmal, leider nein, da ich ihn, den Tornister an einen Handwerksgesellen für sein Werkzeug verschenkt habe. Zu der damaligen Zeit wurde noch nicht alles, was man nicht mehr benötigte, entsorgt. Der Krieg war erst 14 Jahre vergangen und das Wirtschaftswunder folgte erst noch. Durch einen persönlichen Jahreswechsel erfolgt meine Antwort erst etwas später.
        Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Glück und Gesundheit bei dieser so tollen, sicherlich einmaligen Reise.
        Herzliche Grüße Gerhard

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