Der Hafen zur neuen Welt – Bremerhaven

Der Samstag stand ganz im Zeichen der Auswanderung und der Überfahrt in die neue Welt. Per Zug ging es in knapp 1,5 Stunden von Bremen nach Bremerhaven und per Bus weiter zum Auswandererhaus in den Hafenwelten. Im Auswandererhaus wird die Geschichte der Auswanderung aus Deutschland sowie die Einwanderung nach Deutschland erzählt und interaktiv erlebbar gemacht.

Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven
Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven

Den Besuch startet man mit dem Boarding Pass und einer Aus- und Einwanderergeschichte seiner Wahl, im Museum kann man dann immer wieder die Stationen dieser Personen verfolgen.

Dann geht die Reise los.
Im halbdunklen Wartesaal warnt die Polizeidirektion vor Bauernfängern, Kartenspielern, Taschendieben und Personen, die zum Kauf von Schiffskarten drängen. Die Türen öffnen sich, und es geht mit gerafften Röcken die Holztreppe hinauf zum wartenen Schiff am Pier. Die „Lahn“ liegt zur Abfahrt bereit, Menschengruppen drängen sich zwischen Gepäckwägen und Vorratsfässern an der Wasserkante Richtung Schiff.  Unter den stumpf dröhnenden Motoren und den metallenen Geräuschen des sich wiegenden Schiffes vernimmt man einen wilden Mix europäischer Sprachen. Frauen, Kinder, Alte und Junge der verschiedenen Epochen – sie alle erhoffen sich in der neuen Welt ein besseres Leben.

Warum sie auswandern und die gefährliche Überfahrt wagen – das erfährt man in der Galerie der 7 Millionen – hier werden nicht nur die verschiedenen Hintergründe der Auswandererwellen erklärt und statistisch aufbereitet, sondern auch die Geschichten Einzelner erzählt. So stoße ich auf einen mir bekannten Namen – Ottmar Mergenthaler – und erfahre, dass der Namensgeber einer Realschule in meiner Heimat einst nach Amerika auswanderte.

Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven
Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven

Weiter geht es zur Einschiffung, es liegen über 3000 Seemeilen vor uns. Der schmale Steg führt zu einer steilen Treppe entlang der kleinen Bullaugen hinauf auf die „Lahn“. Ein letzer Blick zurück an Land – schon geht es hinein in den Schiffsbauch.


Im Gepäckraum mit allerlei großen Kisten und Truhen kann man anhand verschiedener Schiffsmodelle die deutlichen Unterschiede von den Seglern über die Dampfschiffe bis zu den Ozeanlinern sehen. Weiter geht es in die Kabinen – angefangen über das dunkle und stickige Zwischendeck des Seglers Bremen (1854) geht es in den schon deutlich freundlicheren Schlafsaal des Schnelldampfers Lahn (1887) bis hin zum Vierbettzimmer und Speisesaal des Liners Columbus (1929). Im Gegensatz zu den 6-8 langen Wochen auf einem Segelschiff brauchten die Dampfschiffe nur noch 2 Wochen für die Überfahrt.

Herzklopfen. Der lange Gang von Ellis Island – dann der Einwanderungstest. Werde ich es schaffen?

Ellis Island - Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven
Ellis Island – Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven

Im Gegensatz zu den frühen Auswanderern, die einfach an einem der vielen Anleger in New York festmachten, gab es ab 1855 die erste Einwanderungsbehörde an der Südspitze Manhattans: Castle Garden, hier wurden die Einwanderer erstmals zentral erfasst. Als die Massen nicht mehr zu bewältigen waren, wurde 1892 Ellis Island eröffnet. Mein Ururgroßvater landete 1880 noch direkt am Landungsplatz in Hoboken, New Jersey, seine Einreise wurde aber bereits zentral erfasst.
Über das „Office of the New World“, in dem man zum Beispiel eine Karte mit den deutschen Städten in Amerika findet, geht es schließlich an das Grand Central Terminal – und von hier aus in alle Ecken der neuen Welt. Dahinter beginnt der zweite Teil des Museums über die Einwanderung nach Deutschland.
Im Raum der Familienrecherche des Museums stehen Computer zur Verfügung, an denen man kostenlos in den veschiedenen Datenbanken nach seinen Vorfahren suchen kann. Ich wurde fündig – in den New Yorker Passagierlisten habe ich die der Donau gefunden – inklusive des Herrn „Otto Dahl“.

Ich möchte mich sehr herzlich für die Einladung in das Auswandererhaus bedanken!
Bitte hier klicken für die Webseite des Museums sowie die Facebookseite.

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