Wie ich Otto’s Freunde traf

Recherche in Bozeman

Meine erste Email an das Gallatin History Museum (damals noch das Pioneer Museum) schrieb ich am 25. Dezember 2012. Nur 2 Tage später erhielt ich eine Antwort von Rachel Phillips. Sie konnte mit sogar Informationen über den Farmer August Gottschalk geben, auf dessen Farm Otto lebte. Am 29. Dezember 2012 schrieb ich Rachel dass ich die Idee hatte, seine Reise irgendwann nachzureisen.

Am 22. Juni 2016, dreieinhalb Jahre später, kam ich ins Gallatin History Museum und sagte „Rachel, hier bin ich!“

Noch bevor ich meine Recherche startete zeigte mir Rachel die Mitarbeiterküche, wo ich mir jederzeit Kaffee holen konnte und ich belagerte den großen Konferenztisch, welcher schnell mit meinen Unterlagen, Ordnern und alten Zeitungen übersäht war.

Zeitungen von 1881

Ich startete meine Recherche schon am nächsten Tag mit dem Lesen (oder vielleicht besser gesagt studieren) der gesamten Zeitungen von August 1881 bis Februar 1882, in der Hoffnung irgendeine Erwähnung Ottos oder der Pelzgerberei zu finden. Es war äußerst ermüdent, da die Texte sehr klein und dicht gedruckt waren, aber es hat großen Spaß gemacht. Die gedruckten Neuigkeiten von 1881 waren sehr unterhaltsam…“Wassermelonen sind in Helena angekommen“. Leider habe ich keine Erwähnungen von Otto direkt gefunden. Jedoch habe ich Werbung von den Geschäften gefunden, die er erwähnt, die Annonce vom Weihnachtsball 1881, welchen er besuchte sowie die Zeitungsartikel von anderen Geschehnissen, welche er beschreibt. Jedes Mal, wenn ich etwas fand, überkam mich ein Gefühl der Aufregung und ich rief durch’s Museum – gefolgt vom lauten Vorlesen des Gefundenen. Das Lesen brachte mich buchstäblich in das Bozeman von 1881 und irgendwie fühlte mich sehr nah zu Otto und seinem Abenteuer. Vermutlich hat er dieselbe Zeitung damals gelesen!

Das Grundstück von August Gottschalk

Am ersten Tag gingen Rachel und ich auch gleich nach nebenan, zum Clerk & Recorder, wo alle Einträge von Grundstückseigentümern gelagert werden. Ich fragte sie, ob sie irgendwelche Einträge von 1881 hätten und ungefähr 5 Minuten später hielt ich ein Stück Papier in den Händen mit einer Karte und dem genauen Umriss von Gottschalk’s Grundstück. Das Einzige was ich dachte war „So schnell?“. Sie hatten den Eintrag vom Kauf des Grundstücks mit einer detaillierten Beschreibung dessen. Von diesem Eintrag malte die wundervolle Dame dort dann den Umriss auf die Karte. Ich konnte es kaum fassen, aber nun wusste ich genau, wo Otto in Bozeman gelebt hatte.

So traf ich Otto’s Freunde

In seinen Beschreibungen nennt Otto viele Namen von Menschen, die er getroffen hat, auf die Jagt ging oder zusammen arbeitete. Jedesmal, wenn ich Rachel einen Namen nannte (z.B. Kopp und Cooper), rannte sie regelrecht in’s Archiv und holte den Ordner der entsprechenden Person hervor. Es war absolut fantastisch, diese ganzen Menschen kennen zu lernen. Die Nachfahren der Familie Kopp hatten sogar so viel Recherche betrieben, dass ein ganzen Buch zur Verfügung stand. Als ich das Buch öffnete und das Bild von Karl Johann Kopp und seiner Frau Anna Boentgen sah, ein Paar mit welchem er befreundet war, einen Monat bei ihnen lebte und sogar für sie arbeitete, dachte ich „das sind die Leute, die er getroffen hat“ und begann zu weinen. Es war einfach überwältigend, Ottos Freunde zu „treffen“. In jenem Moment kam einer der Freiwilligen des Museum und sagte „Für solche Momente arbeiten wir hier“.

So sah Otto’s Bozeman aus

Das Museum verfügt über ordnerweise Bilder von Bozeman und Umgebung. Ich durchforstete diese, um Bilder von Bozeman von 1881 zu finden und hatte Glück. Ich fand zum Beispiel ein Bild der Kutschenstation Red Bluff und von der Main Street  – und ich stellte mir vor, wie Otto da stand und den Laden von Walter Cooper bestaunte, dessen Fassade immernoch existiert.
Der Moment, in dem man seine Email im Museumsordner findet
Einer der lustigsten Moment war, als ich den Ordner von August Gottschalk öffnete und meine Email von Dezember 2012 darin fand. Es erinnnerte mich nicht nur daran, vor wie langer Zeit ich die Idee zu dieser Reise hatte, sondern machte mir auch klar, dass ich hier zu historischen Dokumenten von Bozeman beitrage.

Die Extra Meile

Ich wollte so dringend die Business License der Pelzgerberei „Otto Dahl & Co“ finden, aber die Business Records werden in Helena, der Hauptstadt Montanas bei der Montana Historical Society gelagert. Eines Tages fuhr ich also nach Helena, um danach zu suchen. Leider war genau das Buch, welches die Einträge von September – Dezember 1881 beinhaltete, nicht vorhanden. Äußerst enttäuscht fuhr ich nach Bozeman zurück, aber ich hatte mein Bestes versucht.

Ich möchte mich ganz herzlich beim Gallatin History Museum bedanken für die freundliche Aufnahme und Untersützung meiner Recherche! Es ist unfassbar, was ich alles finden konnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *