Das Leben im Wilden Westen

Natürlich war ich in Bozeman, um Recherche zu machen und Otto’s Orte zu besuchen, aber ich habe auch Zeit damit verbracht, „normale“ Dinge zu tun und den Sommer in der Stadt zu genießen. Auf dem Farmer’s Market habe ich Stella, gebürtige Münchnerin, getroffen, welche Deutsches Brot (mit einer Prise Montana) backt & verkauft. Natürlich trafen wir uns dann wieder zum Schauen der Fußball Europameisterschaft – und haben gemeinsam die vielen Herzinfarkte während des Italienspiels durchgestanden. Um selbst etwas aktiv zu bleiben (was auf so einer Reise nicht immer einfach ist), habe ich bei der Bozeman Ultimate Summer League mitgespielt und war zwei Abende lang wieder voll in meinem Element. Andere Sommernächte verbrachten wir bei Music on Main Street, wo die komplette Hauptstraße durch den Ort für Autos gesperrt wurde. Die Menschen liefen mit Bier herum (darf man sonst nicht in Amerika!), die Band spielte Gute-Laune-Musik und auf die wunderschönen Sonnenuntergänge Montanas war verlass, welcher alles in ein goldenes Licht tauchte. Julia, eine deutsche Freundin, und ich fühlten uns stark an die Sommernächte in der Heimat erinnert.

Heiße Sommertage in Montana verbringt man am Besten im Kühlen Nass, und meine Gastfamilie nahm mich sowohl auf einen Floating & Standup-Paddle Trip auf den Madison River als auch zu einem Tag auf dem Boot auf dem Ferry Canyon Lake. Wenn die Temperaturen am Abend etwas abkühlen, ist eine After-work-Wanderung genau das Richtige. Meine Freundin Tammy nahm mich auf eine Tour zum Lava Lake mit, wo man sich inmitten der Wildniss befindet, und doch nicht weit von Bozeman ist.

Mir wurde gesagt, dass man Bozeman nicht verlassen kann, ohne zum M gewandert zu sein – und schnell verstand ich, warum. Der kurze Aufstieg war wunderschön und der Blick über Bozeman einfach fantastisch. Da ich wusste, wo die Farm ungefähr war, konnte ich sie von dort oben aus sehen – und da dies der dichteste Berg zur Farm war, bin ich mir recht sicher, dass Otto auch hier gewandert sein muss.

Den wohl amerikanischsten und „most Wild West“ Abend den ich verbrachte war, bei einem Rodeo zuzuschauen. An einem Samstag Abend nahm mich meine Gastfamilie zum Rodeo im benachbarten Livingston. Befor es losging, wurde natürlich die Amerikanische Nationalhymne gespielt und eine überdimensionale Flagge via Hubschrauber (!) über das Stadion geflogen! Willkommen beim Rodeo! Wir setztens uns auf die Ränge und ich kam mir vor, wie im Film – nur dass es die Wirklichkeit war. Es war in diesem Moment, dass ich realisierte, dass ich im Wilden Westen angekommen war. Unzählige Cowboys (die ausschauten, wie im Film), saßen hoch auf den Zäunen, die Rodeo-Girls warteten auf ihren Auftritt und die wilden Pferde warteten dicht gedrängt in den Gehegen. Die Cowboys kämpfen um die Schnelligkeit im Einfangen eines Kalbs und das Reiten von wilden Pferden und Bullen – die Mädels versuchten, so schnell wie Möglich durch einen Parkour von großen Bierfässern zu reiten. Ein Show-Highlight war ein Cowboy der zunächst mit einer sechs-spännigen Kutsche einfuhr und kunstvolle Manöver lenkte, und dann ohne die Kutsche zurückkam, und mit jeweils einem Bein auf einem der letzten beiden Pferde stand und die Tiere lenkte – wirklich spektakulär.

Wenn ich so darüber nachdenke, gab es noch etwas, dass noch amerikanischer war als das Rodeo – schießen! Zunächst war ich sehr dagegen, jemals eine Waffe abzufeuern, was ich noch nie zuvor gemacht hatte. Aber nachdem ich mehr darüber nachdachte und mich daran erinnerte, dass Otto hier zu seiner Zeit gefühlt jeden zweiten Tag auf die Jagt ging – entschloss ich mich, es doch zu wagen. Eines Tages nahm mich mein Gastvater Mike mit auf sein weitläufiges Grundstück und ich wurde in die verschiedenen Verhaltensregeln eingeführt. Ich brauchte ganz schön lange, um das Gewehr für den ersten Schuss auszurichten, aber als ich auslöste und den schoss war das wahnsinnig wuchtig. Am Ende des Tages hatte ich dann ganze 5 Waffen gefeuert – 2 Gewehre, 2 Pistolen sowie eine Schrotflinte – und man könnte mich ein Naturtalent nennen, denn ich traf die Tontauben mit der Schrotflinte und eine 180 Meter entfernte Zielscheibe mit einer Pistole. Es war eine absolut interessante Erfahrung und ich danke Mike, dass er mir das gezeigt hat!

Bozeman war der Ort, an dem ich den wichtigsten Tag des Jahres verbrachte: den Unabhängigkeitstag am 4. Juli. Den Tag verbrachte ich beim Barbeque mit Frisbee-Freunden, am Nachmittag zogen wir weiter zum Konzert und dem Feuerwerk in der Stadt – welches mal wieder bei einem perfekten montanan sunset stattfand.

2 thoughts on “Das Leben im Wilden Westen

  1. Ursula Howland sagt:

    Thank you for being so busy and updating your stories!
    Yesterday, at the Farmers‘ Market, I picked up my second loaf of bread from Stella. We chatted about you and your travels again. Her bread is the best. So, thank YOU for sort of indirectly introducing me to Stella!
    Ursula

  2. Diana sagt:

    So glad to have met you at Old St. Mary’s and at the Stammtisch in Cincinnati. Best of luck in all your travels.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *