Bismarck

Nein, in diesem Artikel geht es nicht um den früheren deutschen Reichskanzler, auch wenn die Stadt nach ihm umbenannt wurde und er den Vornamen mit meinem Ur-Ur-Großvater teilt.

Bismarck ist die Hauptstadt vom US-Bundesstaat North Dakota und wurde 1873, nur ein Jahr nach Gründung von der Northern Pacific Railway von Edwinton in Bismarck umbenannt, um den Reichskanzler zu ehren und deutsche Siedler anzulocken. Mich hat das fasziniert, dass man eine ganze Stadt umbenannt hat, um eine gewisse Siedlergruppe anzulocken. Natürlich gab es zu diesem Zeitpunkt bereits viele deutsche Siedlungen in den Staaten, aber die wurden meist von den neuen Einwanderen gegründet und nach ihren Heimatstädten benannt.

Mit dem Bus aus Bozeman kam ich um 3 Uhr nachts in Bismarck an und musste dann noch eine ganze Stunde auf ein Taxi warten, und so war ich dann gegen 4:45 am morgen schließlich im Bett – völlig übermüdet und überwältigt von den Emotionen der letzten Tage und dem Abschied aus Bozeman. Jetzt war der zweite Teil meiner Reise angebrochen – auf der Suche nach deutschen Spuren in Amerika.

German Days

Am Mittag ging es aber gleich weiter im Programm: Die German Days standen an, und ich machte mich natürlich gleich im Dirndl auf, das Fest zu erkunden, welches in diesem Jahr zum zweiten Mal ausgerichtet wurde. Schon am Eingang wurde ich gefragt, an welchem Stand ich arbeite oder um wie viel Uhr mein Auftritt sei. Schnell merkte ich, warum: Niemand anders war in Tracht gekleidet, außer die Verkäufer an manch einem der Stände.
Ich lief etwas herum, das Areal war sehr überschaubar: ein großer Parkplatz am alten Bahnhof. Neben der großen Bühne und einem großen Bierzelt gab es verschiedene Essens-Stände mit mehr oder weniger authentischen deutschen Speisen sowie ein paar Stände der verschiedenen deutschen Kulturvereine.
Während meiner Gespräche mit den verschiedensten Menschen erfuhr ich dann einiges interessantes und noch mehr kurioses!

Den Eisernen Vorhang – es gibt ihn noch!
So wird natürlich nur eine imaginäre Linie – und auch nur in der Umgangssprache gebraucht. Er verläuft südöstlich von Bismarck und dahinter finden sich Städte wie Hazelton, Linton und Straßburg, welche wohl äußerst Deutsch sind. Ein typisches Rezept und einen Hinweis auf den Eisernen Vorhang habe ich bei North Dakota Bloggerin Jenny gefunden. Auch Kuchen gibt es in Bismarck allerhand und wird auch im englischen „Kuchen“ genannt. Der Unterschied zum „cake“ ist, dass „cake“ ein Kuchen mit Zuckerguss ist.

Germans from Russia Heritage Society
Die Immigranten in North Dakota waren Hauptsächlich Russlanddeutsche (1980 ergab die Volkszählung, dass 45% der Bevölkerung von North Dakota Russlanddeutsche sind), weswegen es hier die Germans from Russia Heritage Society gibt. Das war das erste mal, dass ich realisierte, dass die „deutsche“ Kultur in Amerika vielseitiger ist, als mir das zuvor klar war. Mit den Mitgliedern habe ich mich dann etwas länger unterhalten, jedoch auf Englisch, denn Deutsch spricht hier fast niemand mehr.

Der Verein hat das Ziel, das deutsche Kulturerbe zu erhalten, vor allem durch Ahnenforschung, was derzeit in sogar in Mode ist. Aber auch über das Pulizieren verschiedener Artikel und über einen Buchladen und eine Bibliothek ist der Verein aktiv. Zudem gibt es jedes Jahr eine große Konferenz mit Workshops und Vorträgen – alles rund um Ahnenforschung und die alte Heimat. 2017 findet sie bereits zum 47. Mal statt.

Das „die Alten“ sich für Ahnenforschung und die „alte Heimat“ interessieren ist nicht groß verwunderlich, aber mich hat es vorallem interessiert, wie der Verein die jüngeren Altersgruppen für deutsches Kulturerbe begeistert. Dazu der Präsident Curtis Mertz: „Es ist schwierig, die Jugend zu begeistern, aber Essen und Familientraditionen sind ein guter Ansatz“. Viele der Familien kochen bestimmte Gerichte mit ethnischer Herkunft, wobei der Verein die verschiedenen Rezepte und Ursprünge erklärt. Auch über die Hirschjagt und das Verarbeiten zu Wurst nach traditionellen Rezepten schafft gemeinsame Erlebnisse und Familienzeit und weckt so Interesse für die Geschichte. Darüber hinaus gibt es Aufsatzwettbewerbe für Stipendien sowie eine Zeitschrift „Heritage Review“.

Die Deutschen sind doch überall!
Am zweiten Tag der „German Days“ erblickte ich dann endlich Menschen in (bayerischer) Tracht. Ein platzsuchendes Pärchen luden wir dann gleich zu uns an den Tisch und nach zwei Sätzen stellte sich heraus, das Claudia aus Deutschland kam und ihrem amerikanischen Mann nach Bismarck gefolgt war. Nach einigen Bieren (es wurde Paulaner, Hacker-Pschorr und Weihenstephan ausgeschenkt), tanzten wir dann fröhlich bis zum Ende der German Days – was ein großer Spass!

Meinen letzten Tag in Bismarck verbrachte ich mit einem Spaziergang zum Capitolgebäude sowie zum North Dakota Heritage Museum & State Museum, wo es sogar einen speziellen Flyer gab, welcher auf die Objekte mit deutscher Geschichte hinweist.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich beim North Dakota Tourism Division für meine Unterkunft im Expressway Inn bedanken.

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