1882: Der letzte Monat in Bozeman

Der Monat Januar 1882 bringt starke Kälte, das Thermometer sinkt auf mehr als minus 30°R. Mehrere Nächte brachte ich in der Küche zu, weil es auf dem Speicher nicht auszuhalten war. – Eines Tages ist große Aufregung im Städtchen: Charles Krug, der Teilhaber des Brauers, ist von einem fremden Metzgerburschen geschlagen worden. Die Deutschen sind entrüstet und wollen am nächsten Morgen den Missetäter einfangen. Auch ich versprach mitzumachen, wozu mir Kopp sein schönes flinkes Pferd, die Blase, zur Verfügung stellt. Doch muß der Plan zunächst wieder aufgegeben werden, da niemand angeben konnte, wohin der Bursche entflohen war. Man vermutet ihn schon bei den Krähen-Indianern. Plötzlich, nach vier Tagen, erscheint er wieder, worauf ihm sofort eine empfindliche Geldstrafe, vierhundert Dollars, zudiktiert wird.

[Über die Schlägerei wurde in der Zeitung am 12. Januar 1882 berichtet, siehe Foto]

Der Januar vergeht mit verschiedenen Arbeiten in der Metzgerei, sowohl im Office wie auch mit praktischer Arbeit im Schlachthause, beim Räuchern, Wurstmachen, Holzsägen usw. Von Barmen werde ich inzwischen dringend aufgefordert, nach Hause zu reisen. Am 11. Januar erhalte ich auf der Post eine Geldsendung von 120 Dollars aus Barmen, ein für die Reise indes ungenügender Betrag, daher ich noch bleibe. Einige Tage später, am 14. kommt mein Bruder von der Farm mit der Nachricht, daß er mit dem Farmer abgerechnet habe und sobald wie möglich in der Stadt ein Lokal mieten wolle, um das Geschäft allein fortzusetzen. Am selben Tage wird mir ein Telegramm aus Barmen zugestellt, wonach ich sofort nach dort abreisen solle, weiteres Geld sei unterwegs.

Am 17. Januar kommt Rudolf mit Familie Gottschalk zur Stadt. In den Geschäftsräumen des Metzgers kommt es zwischen mir und dem Farmer infolge einiger mir von meinem Bruder gemachten Mitteilungen zu einer äußerst heftigen Auseinandersetzung. Nicht viel fehlte, so wäre es zu Tätlichkeiten gekommen, so scharf fielen die gegenseitigen Vorwürfe unter donnerndem Gepolter. Es war eine sog. „freundschaftliche Übereinkunft“ über die Auflösung der Firma Dahl & Co. Am nächsten Tage fährt Kopp mit Familie (Frau und ein einjähriges Söhnchen) und meinem Bruder zur Farm, wo letzterer seine Sachen einpackt, um zur Stadt überzusiedeln. Mein Mittagessen muß ich mir heute selbst kochen, wie ich schon seit längerer Zeit alltäglich zum Frühstück die Beefsteaks bereitete, worin ich schon eine ziemliche Fertigkeit erlangt hatte. Einige Tage darauf sattelt Kopp seine Blase, eine schöne Fuchsstute, um zum Yellowstone aufzubrechen, dort Vieh zu holen. Frau Kopp macht mir die Mitteilung, daß es ihrer Schwester sehr leid tue, daß es zu diesem Zerwürfnis zwischen ihrem Mann und mir gekommen sei. Sie schlägt daher eine Aussöhnug vor, wozu ich mich bereit erkläre.

Die Tage vergehen schnell, nach dreitägiger Abwesenheit kommt Kopp von seinem Geschäftsritt zurück. Einige Tage später erscheint auch Familie Gottschalk wieder, ohne daß wir indes Gelegenheit zu einer Aussprache hatten. Die Farmerin läßt mir nachher durch ihre Schwester sagen, ich möchte am nächsten Sonntag, 29. Januar mit meinem Bruder zur Farm kommen. Die Ausführung dieser Absicht wurde durch einen zufälligen Umstand leider verhindert, sodaß ich vor meiner Abreise keine Gelegenheit mehr fand, die Farm aufzusuchen. Ich habe dies späterhin sehr bedauert, da ich auf der Farm lange Zeit herzliche Freundschaft genossen hatte. Um meine so dringend gewordene Heimreise nicht ferner hinauszuschieben, nahm ich das mir von Frau Spieth gemachte Geldanerbieten dankend an und entlieh von ihr 120 Dollars gegen das Versprechen, den Betrag alsbald nach meiner Ankunft in Barmen zurückzusenden. Am 31. Januar traf ich alle Vorbereitungen zu meiner auf den nächsten Tag festgesetzten Abreise. Frau Spieth übergab mir ein Paket und Bilder für Ihre Verwandten in Deutschland. Abends kommt Rudolf Wolferts und bringt drei Flaschen Kalifornia-Wein mit. Eine gemütliche Abschiedsfeier im Kopp’schen Hause folgte.

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