1882: Salt Lake City

Februar 1882

Nach einem im Bahnhof eingenommenen sehr mäßigen Frühstück, für das ich 75 Cents entrichten durfte, kann ich endlich den um 9 Uhr 40 abfahrenden Personenzug der Utah & Northern Rail Road zur Weiterfahrt benutzen. Das Wetter ist sehr schön geworden. Im Staate Idaho liegt viel Schnee auf den felsigen Höhen. Nach 22 Stunden Eisenbahnfahrt komme ich etwas ermüdet gegen acht Uhr früh in Ogden an. Anstatt in östlicher Richtung weiter zu reisen, entschloß ich mich schnell zu einem Ausflug nach Salt Lake City, was ich nicht bereuen sollte.

Salt Lake City 1882. Image courtesy of Daughters of Utah Pioneers. Contact DUP Photo Department, for permission to use DUP images.
Salt Lake City 1882.
Image courtesy of Daughters of Utah Pioneers. Contact DUP Photo Department, for permission to use DUP images.

Die Mormonen Hauptstadt gilt als eine der schönsten Städte des westlichen Amerika, sie hat regelmäßige breite Straßen, von Pferdebahnen belebt, einzelne von Bächen durchzogen, was mich an Mühlhausen i/ Thür. erinnerte. Im Norden und Osten ist die Stadt von sehr hohen Bergen umgeben, den Wahsatch Mountains. Im Walker-House war ich abgestiegen und nahm dort das Mittagessen ein, nachmittags siedelte ich aber zum Valley-House über, dessen früherer Besitzer, ein Däne, meinen Namen führte, wie mir der Oberkellner beim Eintragen meines Namens mitteilte. Ich suchte alsbald meinen Namensvetter auf und schüttelte ihm mit der Bemerkung „I want to see the man who bears my name“ die Hand. Er war Mormone und riet mir ab, wenn ich nicht Mormone werden wollte, hier zu bleiben, welch letzteres ich auch gar nicht im Schilde führte.

Dann besichtigte ich das Tabernakel, sowie den Tempel der Mormonen. Ersteres ist ein großes in Eiform ausgeführtes Gebäude von 250 Fuß Länge, 150 Fuß Breite und 66 Fuß Höhe. Von einer bestimmten Stelle im Innern, einem der beiden Brennpunkte der Ellipse, konnte ich jeden geflüsterten Laut in der Kirche vernehmen. Das Tabernakel wird nur im Sommer benutzt und faßt über achttausend Personen. Ich besuchte noch eine deutsche Brauerei, die mich durch gutes Bier bei mäßigem Preise erfrischte. Hier bestellte ich auf einer Postkarte, was bei meiner Ozeanfahrt von besonderer Bedeutung werden sollte, beim Norddeutschen Lloyd in New York einen Platz auf einem am 18. Februar nach Deutschland abgehenden Dampfer. Der nächste Tag, 5. Februar, war ein Sonntag. Im Valley House hatte ich für Abendessen, Zimmer und Frühstück 1½ Dollars zu zahlen und war mit allem gut zufrieden.

Schon um 7 Uhr früh fuhr ich nach Ogden zurück. Dort fand ich mein im Wartesaal ohne jede Aufsicht in einer Ecke zurück gelassenes Gepäck wohlbehalten vor. Mein Vertrauen in die Ehrlichkeit der hier im Westen verkehrenden Menschen war durchaus berechtigt, während ich in irgendeiner größeren Stadt des Ostens eine ähnliche Sorglosigkeit nicht gewagt hätte.

Die Fotos in diesem Beitrag habe ich im Daugthers of the Utah Pioneers Museum in Salt Lake City gefunden.
Webseite: isdup.org

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