1881: Winter in Bozeman

Draußen war der Winter vollends eingekehrt, der Schnee erwies sich als dauerhaft bis zum kommenden Frühjahr. Vom 30. Oktober an bis zu meiner anfangs Februar erfolgenden Rückreise erlebte ich einen Winter in Schnee und Eis und von einer Kälte, wie ich dies weder früher jemals noch späterhin mitgemacht habe. Mit dem Schnee kam auch alsbald die Kälte, die hier zu Lande in manchem Winter das Quecksilber zum Gefrieren bringt, was erst bei -38,89 °C der Fall ist. Die Tage werden kürzer, so daß ich mangels künstlicher Beleuchtung meine täglichen Arbeiten in der Gerberei früh beenden muß. Die übrige Zeit mache ich mich im Hause nützlich. Frühmorgens muß fast täglich die lange und breite Laufdiele vor dem Eingang des Hauses von dem in der Nacht gefallenen Schnee gesäubert werden. Die Wege vom Wohnhause zu den übrigen Gebäuden, Rauchhaus, Stall und Scheunen, sind bald von hohen Schneewällen eingefaßt.

Eines Abends hole ich mir, um zur Stadt zu reiten, auf der Weide einen Gaul, dem ich aber erst, um ihm das Zaumzeug anlegen zu können, mit einem Besen die langen Eiszapfen vom Maul und Schultern abkehren mußte. Ich beabsichtige der Pythagoras Lodge einen Besuch zu machen, die zum Orden der Ritter des Pythias gehört, dem ich vor einem halben Jahr in Newark beigetreten war. Obwohl unbekannt, wurde ich wie ein alter Bekannter begrüßt und freundlich aufgenommen. Mein Schimmel steht solange draußen angebunden und harrt ruhig meiner Rückkehr. Erst um Mitternacht kehre ich zur Farm zurück. Nachdem ich Sattel und Zaumzeug abgenommen, lasse ich das Tier wieder auf die Weide, auf die schneeigen Hügel hinaus. Es ist eigenartig und spricht für den hohen Nährwert des Prairiegrases, daß Pferde und Rindvieh den ganzen Winter hindurch selbst bei größter Kälte hinreichend Futter unter dem Schnee finden. Nur selten, bei lang anhaltender großer Kälte, wird ihnen vom Farmer etwas Hafer vorgeworfen.

Am 9. November erhalten wir von dem einige Meilen entfernten Fort Ellis den Besuch eines Leutnants und des Regimentsarztes nebst deren Frauen. Sie kommen auch zur Gerberei und wünschen einige Pelze zu kaufen. Am nächsten Tage, Martinstag, ist des Farmers Geburtstag. Frau Gottschalk und ich schenken ihm einige Flaschen Sherry aus Kalifornien. Den Genuß geistiger Getränke hatte ich mir fast ganz abgewöhnt. Bei unseren Besuchen in der Stadt, die einige Male wöchentlich entweder zu Pferde oder mit dem Schlitten gemacht werden, kommen wir nur selten einmal zur Brauerei, um dort ein Glas Bier zu trinken. Dort ist zwar das Bier nur halb so teuer wie in den „Saloons“, die das Glas mit 25 Cents (1 Mark) berechnen. Diese Münze ist überhaupt die kleinste, darauf wird nicht herausgegeben. Ob man eine Zigarre, einen Schnaps, ein Glas Bier oder irgend sonst etwas verzehrt, alles muß mindestens mit 25 Cents [1 Mark] bezahlt werden.

One thought on “1881: Winter in Bozeman

  1. Ursula Howland sagt:

    Yes, I can attest to the low temperatures in Bozeman in some of the winters. My first winter in town was 1990 – 91. The first cold spell lasted about 7 days – right around Christmas. I lived by a creek and the thermometer on the outside showed -40°C at 5 AM in the morning. We skied in Big Sky at -25°C. Not a lot of folks wanted to make more than two runs before going inside to warm up again.
    Throughout the season we had four of those cold spells lasting from 5 to 10 days.
    Ursula

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