1881: Telegramm & Bärenspuren

Am 27. August fuhren wir zur Stadt, wo ich eine ganze Anzahl Briefe abholte, die alle für meinen Geburtstag, der schon am 10. gewesen, bestimmt waren; sie waren mir von meinem Bruder aus Chicago nachgeschickt. Die Post von Barmen dauerte gewöhnlich rund 30 Tage. Am nächsten Tage, Sonntag nachmittag, kam der Schwager des Farmers, John Kopp [siehe Bild], ein junger Schweizer, der die ältere Schwester von Frau Gottschalk [Anna Boentgen] geheiratet hatte, zur Farm. Er überbrachte mir ein Telegramm, aus Barmen an Gottschalk gerichtet, mit dem unklaren Wortlaut : „Dals roler gestorben“.  Wir entzifferten daraus die Trauerbotschaft vom Tode meines Vaters, was mir am nächsten Tage durch ein Telegramm meines Bruders Rudolf aus Chicago bestätigt wurde. Das letztere Telegramm war bereits am 26. August, dem Todestage, von Chicago abgegangen und erst drei Tage später in meinen Besitz gelangt. An eine sofortige Heimreise konnte ich nicht denken, vielmehr wollte ich zunächst briefliche Nachrichten aus der Heimat abwarten.


Am Montag vormittag entdeckte der Farmer am Bachufer, kaum fünfzig Schritte vom Hause, die frischen Spuren von zwei Bären. Schnell luden wir unsere Winchester Büchsen und verfolgten die Spuren, wobei wir häufig den breiten Bach durchwaten mußten. In der Nähe des früheren Wohnhauses, etwa fünfhundert Schritte vom jetzigen entfernt, lag seit gestern ein krepiertes Pferd, dessen Kadaver von den Bären stark angefressen war. Die zottigen Räuber konnten wir indes nicht auffinden. Die beiden folgenden Nächte legten Gottschalk und ich uns in dem alten Hause auf die Lauer, nachdem wir das tote Pferd durch einen kräftigen Ackergaul mehr in die Nähe des Hauses hatten schleppen lassen. Von der Speicherluke aus beobachteten wir längere Zeit, scharf in die Nacht hinein horchend, jedes verdächtige Geräusch, aber Meister Pez erschien nicht. Vielleicht witterte er Unrat, nachdem das tote Pferd von seiner früheren Stelle fortgeschafft worden.

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