1881: Einrichtung der Pelzgerberei

Der nächste Sonntag war ein stürmischer und regnerischer Tag, hierzulande eine große Seltenheit, da in Montana und in den benachbarten Territorien und Staaten einschließlich Kalifornien ein äußerst trockenes Klima herrscht, aus diesem Grunde auch Regenschirme gänzlich unbekannt sind. Mit Gottschalk einigte ich mich heute über die Gründung der Firma Dahl & Co, deren Zweck die Gerbung von Pelzen und auch anderen Fellen war. Endlich am 6. September langten die Werkzeuge und Gerätschaften aus Chicago an, die allein an Frachtkosten bis Dillon, der letzten Eisenbahnstation, nicht weniger als 45 Dollars erforderten.

An diesem Tage siedelte Frau Kopp zur Farm über, um für einige Wochen ihrer Schwester Gesellschaft zu leisten: eine Familien-Vermehrung war in naher Aussicht. Infolgedessen mußte ich mein Dachzimmer im Hause räumen und in das alte Haus übersiedeln, wo ich bereits die ersten Einrichtungen für die Pelzgerberei getroffen hatte. Jeden Abend nach dem Nachtessen wanderte ich mit der Büchse im Arm, die Hauskatze auf der Schulter, durch den stockfinsteren Wald zur „Gerberei“ hin. Kurz vor dem Hause mußte ich einen Zaun überklettern, von wo ich mich vorsichtig zur Haustüre schlich, weil ich immer noch auf die Wiederkehr der beiden Bären gefaßt sein mußte. Im Hause, dessen Türe ich stets sehr sorgfältig verschloß, hatte ich als Nachtlager eine hölzerne Pritsche mit einem Büffelfell. So lange die Katze bei mir war, blieben die zahlreichen Mäuse ruhig, die mich in der ersten Nacht nicht hatten schlafen lassen, als ich ohne Katze gekommen war. In der Frühe des 9. September wurde in der Farm ein Mädchen geboren, worüber sich das zweijährige Schwesterchen besonders freute. In den nächsten Wochen gab ich mich ganz meiner Berufstätigkeit hin. Zunächst wurden noch einige Gerätschaften fertiggestellt: eine Reckbank und ein Schlichtrahmen.

Am Montag, den 11. September hörten wir, daß abends vorher zwischen unserer Farm und dem Städtchen ein Bär geschossen worden; ein Neger Anderson hatte ihn am Bache niedergestreckt. [siehe Zeitungs Artikel; wer erschoss den Bären?] In Kopp’s Fleischerladen konnte ich den muskulösen Bau des ausgeweideten Tieres bewundern. Selbstverständlich nahm ich außer dem zottigen Fell ein gehöriges Stück Bärenfleisch zur Farm; obschon ich wußte, daß die Frauen es nicht anrühren würden. Um so besser schmeckte es mir und dem Farmer. Als „Schweinebraten“ hatten wir es auf den Herd gebracht und den beiden Frauen eine Portion ins Schlafzimmer geschickt. Anfänglich glaubten sie an den Schweinebraten, bis wir plötzlich durch einen Schrei in unserer Mahlzeit gestört wurden. Die Frauen hatten eine Kugel im Braten gefunden und waren nun nicht mehr von ihrer Überzeugung, daß es Bärenfleisch sei, abzubringen; keinen Bissen rührten sie mehr an. Noch häufig aber haben wir Männer in den nächsten Wochen von dem wirklich gut schmeckenden Bärenfleisch genossen.

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