1881: Auf Stellensuche

Inzwischen sehe ich mich in der Stadt nach einer Stelle um, da ich ferner nicht mehr auf der Farm bleiben will, nachdem mein Bruder das Geschäft übernommen. Bei Stoker, einem befreundeten Kaufmann, hatte ich leider vergeblich nach einer Beschäftigung als Buchhalter oder anderer Art angefragt. Der gemütliche Brauer Spieth, ein Württemberger, empfing mich stets sehr freundlich, mehrere Male lud er mich zum Mittagessen ein, auch stellte er mir sein Klavier – auch das gab es hier – zur Verfügung, wovon ich gerne zuweilen Gebrauch machte.

Um mich auf der Farm, solange ich dort bin, wenigstens nützlich zu machen, führe ich alle möglichen Arbeiten aus, u. a. besorge ich das Tapezieren des Schlafzimmers, womit ich das Lob der jungen Farmerin ernte. Manchmal spricht sie mit Bedauern davon, daß ich mit ihrem Mann so gar nicht stehe; ich sagte ihr, daß der Fortgang des Gerbereigeschäfts wohl die Erwartungen ihres Mannes nicht erfüllt hätten, was ich selbst am meisten bedauerte.

Meinerseits hatte ich darauf gerechnet, daß Gottschalk, was ich nach seinen früheren Briefen annehmen mußte, mich in der Behandlung der Pelze nach Indianerart, die er so außerordentlich lobte, unterstützt hätte, doch ließ er mich stets allein gewähren mit den Worten: „You are the doctor“, obwohl ich ihm von Anfang an nicht verhehlt hatte, daß ich noch niemals feine Pelzsorten verarbeitet hätte, was in Deutschland, wie auch anderwärts nur Kürschner besorgen. Das große Büffelfell, das ich mit Alaun und Salz gegerbt und unter großen Anstrengungen im Schlichtrahmen zugerichtet hatte, fand seinen Beifall nicht, es war ihm zu steif und nicht als Pelz, sondern nur als Teppich zu gebrauchen.

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