1881: Mädchen für alles

Inzwischen rückte die Zeit heran, wo der Farmer sich zu einer längeren Jagd rüstete, um für den langen Winter genügenden Fleischvorrat zusammen zu schießen. An einem trüben Herbsttage – es war der 23. September – bereitete Gottschalk zusammen mit Rudolf Wolferts alles zur Jagd vor. Am nächsten Tage rückten beide in der Frühe mit dem zweispännigen Kastenwagen ab, um zwei bis drei Wochen auszubleiben. Frau Kopp war schon vor einer Woche wieder zur Stadt zurückgekehrt.

Auf der Farm leistete ich der jungen Frau, wenn ich mit meinen Arbeiten fertig war, Gesellschaft und half ihr bei vielen Hausarbeiten, da sie sich noch schonen mußte. Schon von Anfang an hatte ich das Melken von zwei Kühen täglich besorgt, Butter geschlagen, Holz gehackt und recht oft Hähne geschlachtet. Jetzt übernahm ich auch die Pflege des zweijährigen Mädchens, half beim Kochen, Waschen und Windelntrocknen – kurz, ich war nachgerade Mädchen für alles.

Die langen Abende plauderten wir von der bergischen Heimat, wobei sie sehr viel aus ihrer Solinger Mädchenzeit erzählte. Es stellte sich bald heraus, daß ich sie schon vor vier Jahren – es war am 30.September 1877 – ganz flüchtig kennen gelernt hatte, als ich mit meinem Vetter Emil Höfinghoff eine Wanderung nach Solingen unternommen und in der Wirtschaft des Büchsenmachers Böntgen, ihres Vaters, eingekehrt war.

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