1881: Auf Jagt & das Leben auf der Farm

Am nächsten Sonntage, es war der 2. Oktober, wurde in der Nähe des Schlachthauses wieder ein Bär gesehen, wie uns Kopp berichtete, der auf der Farm einen Besuch machte. Auf seine Aufforderung zu einem Jagdausflug gab mir die Farmersfrau eine gute Büchse mit, doch war uns das Jagdglück nicht hold. Als wir an einer Lichtung scharfen Ausblick hielten, brach plötzlich ein Hase hinter uns zwischen unseren Beinen hindurch und rannte den Hügel hinauf, von einem leider mitgenommenen Hunde verfolgt, sodaß wir nicht schießen konnten. Der komische Zwischenfall ließ uns in lautes Gelächter ausbrechen. In der folgenden Nacht wurde ich durch ein tiefes Brummen geweckt, das aus dem gegenüberliegenden Wäldchen zu kommen schien. Schnell kleidete ich mich an, nahm mein immer neben dem Bett stehendes Gewehr und ging leise die Treppe hinunter. Als ich die Haustüre öffnete, blickte ich in eine helle Mondscheinnacht hinaus. Der nur zwanzig Schritte entfernte Wald lag in tiefem Dunkel. An einem der ersten Bäume lag der allzeit wachsame Hund an der Kette, der sich wie toll gebärdete. Obwohl ich das Gehölz völlig umkreiste, konnte ich nichts entdecken – kein Bär ließ sich blicken. Als ich am nächsten Morgen der Frau von dem Vorfall erzählte, war sie ganz erstaunt, da sie nichts davon gehört hatte.

Die weiteren Tage fließen einförmig dahin. Abends lese ich zuweilen vor u. a. „Amtmanns Magd“ von Marlitt. Endlich, am 10. Oktober, nach 16 tägiger Abwesenheit, kommen die beiden Jäger zurück, mit ansehnlicher Jagdbeute: Ein riesenhafter Büffel und drei Elche liefern genügenden Fleischvorrat für den ganzen Winter. Nur die besten Stücke waren mitgebracht worden: Schenkel und Schulterstücke, sowie „Sirloin“ und „Tenderloin“ [zarte Lendenstücke], alles übrige Fleisch wurde zurückgelassen. Bald war alles im Rauchhaus aufgehängt und geräuchert. Der Farmer erzählte von seinen Jagderlebnissen. Der Büffel war ein prächtiges Exemplar; das Fell, das ich zum Gerben übernahm, hatte eine Länge von zehn amerikanischen Fuß, ungefähr 3 m.

Am nächsten Tage, 11. Oktober, tritt plötzlich starker Schneefall ein, doch bleibt der Schnee nur einige Tage liegen. Der Oktober geht ohne besondere Ereignisse dahin mit den regelmäßigen Arbeiten in der Pelzgerberei, wo ich jetzt eine größere Zahl der verschiedensten Felle in Arbeit genommen habe. Der Büchsen- und Fellhändler Cooper, der den schönsten Laden in Bozeman besitzt, versprach mir einen großen Auftrag, wenn das Büffelfell für Gottschalk ebenso gut ausfallen würde wie ein ihm gezeigtes Bärenfell, das ich gegerbt hatte. Er sprach von 500 Büffelfellen, die er im Falle bei mir gerben lassen wolle.

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