1881: Erste Jagt

Inzwischen hatte ich in Bozeman mit dem jungen, erst 20-jährigen Wolferts gute Freundschaft geschlossen. An einem Sonntag, es war der 21. August, holte mich mein Freund schon in aller Frühe um 4½ Uhr auf der Farm ab, wir wollten Wild schießen, was uns nur in den Weg kommen wollte. Jeder mit einem vorzüglichen Gewehr, dem Winchester Rifle, versehen, stiegen wir über die grasigen Hügel in das Hochgebirge hinauf, den schneebedeckten Gipfeln zu.

Nach mühevollem Klettern entdeckten wir an einer senkrechten Felswand eine Höhle, etwa zwei Meter oberhalb des Felsgerölls, auf dem wir standen. Vorsichtig kletterte ich, von Wolferts unterstützt, in die Öffnung mit vorgehaltener Büchse. Ich fand einen Tierschädel und einige Knochen, offenbar war dies der Schlupfwinkel oder das Winterquartier eines Grizzly, des grauspitzhaarigen Bären, dessen Gefährlichkeit mir erst später bekannt wurde. Das große Felsennest war unbewohnt, wir machten uns wieder auf den Heimweg, leider ohne einen Jagderfolg. Um die Sicherheit meiner Büchse zu erproben, schoß ich unterwegs von einem hohen Baum ein Eichkätzchen herunter, was meinem Freund einen Ausruf der Bewunderung entlockte.

Auf der Farm verliefen die Tage gleichförmig. Der Monat August war heiß, selten war die Temperatur unter 30 °C, zuweilen zeigte das Thermometer sogar 40°C, was mich lebhaft an die heiße Zeit in Chicago erinnerte. Doch kühlten sich die Nächte gut ab, da vom Hochgebirge immer ein frischer Wind herunterwehte. Die furchtbare Hitze, an die ich mich gar nicht gewöhnen konnte, hatte in den ersten Tagen meines Hierseins eine ungünstige Wirkung bei mir ausgeübt. Heftige Kopfschmerzen und ein leichter Schwindel hatten mich für mehrere Tage befallen, weshalb ich mich oft stundenlang im Freien niederlegte und meinen Kopf mit großen grünen Blättern bedeckte.

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