1881: Denver – Ogden

Nach einem Aufenthalt von drei Stunden geht es in nördlicher Richtung weiter durch rauhe

felsige Gegenden, das Gebirge hinan. In Colorado Junction im Staate Wyoming haben wir bereits eine Höhe von 6300 Fuß ü. M. erreicht. Weiter hinauf wendet sich die Bahnlinie wieder nach Westen zu. Hier erblicken wir an vielen Stellen der Bahn Schutzgallerien, die oft tunnelartig die Bahnstrecke umgeben, zum Schutz gegen Felsgeröll und Lawinen. Auf dem grasarmen Boden ist manches krepierte Vieh zu sehen. Immer höher steigt die Bahn, bis wir bei Sherman, 8235 Fuß ü. M, den höchsten Punkt erreicht haben. Über kahle Hügel und unfruchtbare, wasserarme Landstrecken geht die Fahrt weiter. Abends langen wir in Laramie-City an, in dessen Nähe das Fort Sanders liegt. Ein zweistündiger Aufenthalt gibt uns Gelegenheit zu einem Imbiß und Versorgung mit etwas Lebensmitteln, die hauptsächlich aus Brot und hartem Käse bestehen. Sonntag früh, am 7. August, passieren wir den Northfork of Platte River, den ersten Fluß seit unserer Abfahrt von Denver. Keine Bäume, nur sehr spärliches Gras bekommen wir zu sehen.

Die massigen Felsen der Rocky Mountains treten immer näher an die Bahnlinie heran, die sich zwischen dem fast ausgetrockneten Flußbett und den schroffen Felswänden mit ihren oft turmartigen phantastischen Formationen hinzieht. Gegen Abend sind wir in Green River, wo wir für 15 Cents ein Glas Bier erstehen können. Am nächsten Tage durchfahren wir anscheinend fruchtbares Land, obwohl wir uns immer noch hoch im Gebirge, etwa 6000 Fuß hoch, befinden. Der Zug fährt durch enge Täler, die von hohen felsigen Bergen eingeschlossen sind, zur linken (südlich) mit niedrigem Gestrüpp bewachsen, während uns rechts sehr hohe, steil abfallende, rötliche kahle Felsen begleiten.

Um 9 Uhr vormittags erreichen wir Echo. Hier erfreut uns wieder der Anblick von Getreidefeldern trotz der immer noch ansehnlichen Höhe von 5460 Fuß. Bald aber wird das Tal wieder enger, die Berge treten dicht an die Bahn heran, kaum Platz für diese und den schnell dahinschießenden Gebirgsfluß lassend. In starken Windungen führt uns der Zug über viele Brücken und durch zahlreiche Tunnels. Einen großen Teil des Tages brachte ich mit anderen Reisenden auf dem Dach eines Güterwagens zu. Der Zug bestand aus 35 bis 40 Güterwagen und 3 Personenwagen, die hinten angehängt waren. Wir nähern uns dem Mormonenstaate Utah; neben der Bahn sehen wir die ersten Indianer, auf kleinen Pferden ins Gebirge reitend. Etwa eine halbe Stunde vor Ogden werden die Personenwagen abgekuppelt, der Güterzug fährt ohne uns zur Station. Eine Zeitlang verharren wir in Geduld, uns draußen im Gelände so gut es ging unterhaltend. Dann drängen wir zu den Wagen, setzen sie auf dem abwärts führenden Geleise in Bewegung, springen wieder hinauf und fahren so, ohne Maschine, fröhlich dem Mormonenstädtchen entgegen, während vorne ein Bremser die Schnelligkeit der Wagen überwacht.

Gegen 1 Uhr mittags sind wir in Ogden, von wo eine Bahnlinie nach Norden abzweigt. Ogden ist ein kleiner Ort mit nur wenigen nur leicht gebauten Häusern. Da mein Zug, der mich weiter nach Norden bringen soll, erst gegen Abend abfährt, finde ich reichlich Zeit zum Mittagessen und einem Spaziergang. Vor einem Wirtshause sind 2 junge Bären angebunden. Ich trete ein, um mir eine einfache Mahlzeit geben zu lassen. Die Preise sind mäßig, ja billig zu nennen, ein gutes Glas Bier kostet 5 Cents. Die junge Wirtin, die ich bald als Deutsche erkannte, erzählte mir, daß sie eine der vier Frauen des Gastwirts sei. Auf meine Frage, wie es ihr denn hier gefalle, antwortete sie etwas ausweichend, wobei sie keineswegs glücklich aussah. Den Nachmittag machte ich mit einigen Reisebegleitern einen Spaziergang. Das Land scheint recht fruchtbar zu sein, man sieht viel Obst, das uns zu mäßigem Preise angeboten wurde.

 

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